Chronik

1650
Nach dem 30jährigen Krieg, um 1650, wurde im Kirchspiel Scheeßel die Scheeßeler Tracht angeschafft, zum größten Teil ausgerichtet auf die Kirchenordnung. Zu Freuden- wie zu Trauerzeiten gab es bestimmte Trachten und Traditionen. Jeder Lebensabschnitt spiegelt sich in seiner jeweiligen Tracht und den dazugehörigen Bräuchen wider. Beginnend mit der Taufe, über die Konfirmation und das heilige Abendmahl, die Hochzeit und nicht zuletzt die vielschichtigen Trauertrachten, aber auch die Festtags-, Sonntags- und Arbeitstrachten, weisen auf den jeweiligen Anlass hin.

1867
Um 1867 gehörten die Arbeits- und Festtagstrachten für die Scheeßeler Bauern noch zum täglichen Leben. Eine Konfirmation in der Tracht fand in der Scheeßeler Kirche zum letzten Mal im Jahre 1912 statt. 1923 wurde die letzte Trauung in Brauttracht von 3 Paaren gleichzeitig gefeiert.

1904
Am 24. und 25. September 1904 fand in Scheeßel das 1. Niedersächsische Trachtenfest statt. Grund dieser Veranstaltung war, das Aussterben der Trachten zu verhindern und die überlieferten Sitten und Gebräuche zu erhalten und weiterzuleben.

1905
Am 29. April 1905 erfolgte vom Verein für niedersächsisches Volkstum in Bremen zunächst die Gründung eines Zweigvereins “Heimatschutz” in Scheeßel. Der Verein hatte seine Arbeit in sieben Gruppen aufgeteilt: Architektur, Kunstgewerbe, Landschaft, Sitten - Trachten und Gebräuche, Tier- und Pflanzenwelt, Prähistorie, Sprache und Literatur.

1926
In den zwanziger Jahren formierte sich eine Heimatgruppe, die in erster Linie plattdeutsche Theaterstücke in Scheeßeler Tracht aufführte, aber auch zeitweise als Trachtengruppe bezeichnet unterwegs war, um die Scheeßeler Bunten zu zeigen.

1933
Im Jahre 1933 gab sich die bereits seit längerem bestehende “Laienspielgruppe des Kriegervereins” den Namen “De Beekscheepers”. Der Name rührt vom alten Färber Müller her. Er ließ neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit ein paar Schafe an der Beeke, einem Bach in Scheeßel, weiden und wurde daher im Volksmund “Beekscheepers Heini” genannt.

Die Gründung und Betreuung der Theatergruppe “De Beekscheepers” ging jahrzehntelang von den Besitzern des Meyerhofes, den Eheleuten Gertrude und Friedrich Meyer, sowie deren Tochter und Schwiegersohn Hanni und Hermann Beckmann aus. Auch die ersten Trachtenauftritte wurden vom Meyerhof aus organisiert.

Bis zum 2. Weltkrieg widmete sich die Gruppe vorrangig dem plattdeutschen Theaterspiel, trat bei Bedarf auch als Scheeßeler Brautzug auf und tanzte “Scheeßeler Bunte”.

1945
Nach 1945 bildete sich aus der Laienspielgruppe eine regelmäßig übende Trachtentanzgruppe. Die Übungsabende fanden alle 14 Tage im Saal bei “Schmeers” (Scheeßeler Hof) statt. Es gab 3 Schichten Tänzer aber nur sehr wenige Musiker. Für die Übungsabende bezahlte jeder 50 Pfennig Lichtgeld, denn eine gemeinsame Kasse gab es noch nicht. Die Gruppe wurde immer häufiger zu Auftritten eingeladen. Die Laienspielgruppe übte auch weiterhin jährlich ein Theaterstück ein, welches in den Wintermonaten zur Aufführung kam.

1956
Friedrich Cordes leitete die Trachtengruppe von 1945 bis 1956. Im Oktober 1956 wurde Karl-Heinz Behrens, der der Trachtengruppe seit 1951 angehört, von Friedrich Cordes und der Gruppe zum Leiter ernannt

1966
In diesem Jahr wurden Gruppenabzeichen angeschafft und im Jahr 1968 Postkarten hergestellt. Die Postkarten wurden vom Heimatverein verlegt und bis 1973 wurden 70.000 Karten verkauft.

1969
Die Gruppe half beim Aufbau der Nebengebäude auf dem Heimathausgelände: Backhaus, Schafstall, Speicher, Wagenschuppen und Schweinestall. Die Materialien wurden in Eigenleistung angefahren und seit vielen Jahren angespartes Geld der Trachtengruppe wurde dem Heimatverein zur Verfügung gestellt. Dafür durfte der Schafstall als Übungsstätte genutzt werden. So hatten sich “De Beekscheepers” ein Zuhause erarbeitet. Die feierliche Schlüsselübergabe fand im September 1969 statt.

Durch den kooperativen Anschluss der Trachtengruppe an den Heimatverein und durch die nationalen und internationalen Trachtenbegegnungen auf dem Heimathausgelände kehrte dort Leben ein, es wurde eine Stätte der Begegnung.

1971
Im Jahre 1971 wurden der Gruppe von einem Heimatfreund, der in Scheeßel geboren und aufgewachsen war, später als Geschäftsmann in Hamburg arbeitete, aber im Alter wieder in Scheeßel lebte, Gelder für eine Fahne gestiftet. Da der Heimatverein Niedersachsen und die Theatergruppe keine eigene Fahne hatten, vereinigten sich die drei Gruppen mit gegenseitigem Einverständnis auf der Fahne.

1973
Zu einer Spaltung des 1945 gegründeten Vereins in zwei Gruppen, nicht zuletzt aus persönlichen Gründen, die hier jedoch nicht näher erläutert werden sollen, kam es im Jahr 1973. Die neu entstandene Trachtengruppe unter der Leitung von Helmut Behrens, ließ sich noch im selben Jahr unter dem Namen “Tanz- und Trachtengruppe De Beekscheepers e.V.” eintragen und nutzte auch weiterhin den Schafstall auf dem Heimathausgelände als Vereinsgebäude. Die weiterhin bestehende, ältere Gruppe, die sich zunächst “Original Scheeßeler Beekscheeper” nannte konnte auch durch mehrere rechtliche Instanzen ihr Versäumnis, den alten traditionellen Namen “Beekscheeper” eintragen zu lassen, nicht wieder gut machen und musste eben Diesen aus ihrem Namen wieder streichen.

1974
So wurde am 31.03.1974 in der Gastwirtschaft Drögemüller in Stemmen die Gründungsversammlung der “Original Scheeßeler Trachtengruppe e.V.” abgehalten. Die Leitung des Vereins übernahm der bisherige Vorsitzende Karl-Heinz Behrens.

1975
Durch die Unterstützung der Mitglieder konnten 1975 zwei Brautwagen restauriert werden. Im gleichen Jahr lieferte die Gruppe die Vorlage für einen Zinnteller aus Soltauer-Zinn.

1976
Heinrich Weseloh sen., genannt “Schoster Hein”, stellte 1975/76 altes Notenmaterial zusammen, das anschließend zu einem Heft gedruckt wurde, um die schönen alten Weisen für die Nachwelt zu erhalten. Da sich die “Scheeßeler Bunten” großer Beliebtheit erfreuen, begann man im Winterhalbjahr damit, über die Dörfer des Kirchspiels zu ziehen und in den Gastwirtschaften die “öffentlichen Übungsabende” abzuhalten. So hatten auch die passiven Mitglieder des Vereins und jeder Volkstanzfreund die Möglichkeit, die “Scheeßeler Bunten” zu erlernen. Diese “öffentlichen Übungsabende” sind auch heute noch fester Bestandteil des Vereinslebens.

1977
Nach einem Entwurf von Friedrich Cordes wurden 1977 neue Anstecknadeln angeschafft.

Von der Stiftung F.V.S. in Hamburg wurde beiden Gruppen, “De Beekscheepers” und “Original Scheeßeler Trachtengruppe”, am 20. August 1977 für ihre Bemühungen um die Erhaltung des bäuerlichen Kulturgutes der Europa-Preis für Volkskunst verliehen. Hierzu fand auf dem Meyerhof, eine feierliche Veranstaltung statt, an der u.a. auch der Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht, der Hamburger Geschäftsmann Dr. h.c. Alfred Töpfer und Ehefrau und Heinrich Delventhal, genannt “Hein Düvel” als noch lebendes Gründungsmitglied von 1945 und langjähriger Hochzeitsbitter der Gruppe, teilnahmen.

Gleichzeitig fand an diesem Tag auch die offizielle Einweihung des Meyerhofes, den die Gemeinde Scheeßel von den Eheleuten Hermann und Hanni Beckmann erworben und bereits teilweise restauriert hatte, als Kultur- und Begegnungsstätte statt. Seitdem ist die “Original Scheeßeler Trachtengruppe” hier zuhause. Einmal wöchentlich wird auf der Meyerhofdiele der Übungsabend abgehalten. Zwei kleine Räume werden als Vereinsunterkunft für die vielen Gastgeschenke, die vereinseigenen Musikinstrumente und Trachten zur Verfügung gestellt. Seit dieser Zeit finden alle zwei Jahre, in den geraden Jahren, die Internationalen Trachtenbegegnungen der Original Scheeßeler Trachtengruppe auf dem gesamten Meyerhofgelände statt.

1980
Die Musikkapelle der Original Scheeßeler Trachtengruppe ergreift die Initiative und schenkt dem Verein eine neue Standarte.

Um die alten Melodien nicht nur schriftlich zu hinterlassen, wurde im gleichen Jahr die erste Langspielplatte aufgenommen. 1982 folgte die zweite LP sowie aufgrund der großen Nachfrage die Herstellung von Musikkassetten beider Plattenaufnahmen.

1982
Auf dem Meyerhof wurden Fotoaufnahmen der Original Scheeßeler Trachtengruppe gemacht und von 5 Motiven Postkarten angefertigt

1985
Zur Dokumentation der Trachten stellten einige Mitglieder eine Mappe zusammen, worin die Tracht in Wort und Bild beschrieben wird und überreichten diese dem Verein.

1991
In kurzer Zeit wurden zwei Prospekte erstellt und gedruckt.

1992
In diesem Jahr wurden Porzellan-Wandteller mit dem Scheeßeler Brautpaar und dem Hochzeitsbitter als Motiv angefertigt und zum Verkauf zugelassen.

Bei einem Besuch in Tukums/Lettland wurde der Auftrag zur Anfertigung von Tassen mit der Aufschrift “Original Scheeßeler Trachtengruppe” sowie dem Brautpaar und dem Scheeßeler Wappen als Motiv vergeben. Die erste Teillieferung der von Hand gefertigten Tassen erfolgte im Sommer 1992 zur Internationalen Trachtenbegegnung, der Rest kam im Frühjahr 1993.

1994
Anlässlich der Internationalen Trachtenbegegnung 1994 und zur Erinnerung an das erste Niedersächsische Trachtenfest 1904 in Scheeßel fand im Kunstgewerbehaus auf dem Meyerhof in der Zeit vom 16.-31. Juli die Ausstellung “Tracht und Tradition” der Original Scheeßeler Trachtengruppe statt. Zu sehen waren originale Trachten und Trachtenteile sowie Bilder von früher und heute. Dazu erschien das gleichnamige Heft mit der schriftlichen Zusammenfassung der Ausstellung.

1995
Auf Initiative von Marianne und Günter Möller wurde die Kindertanzgruppe in der Original Scheeßeler Trachtengruppe aus der Taufe gehoben. Unsere jüngeren Trachtenträger haben nun die Möglichkeit im Alter von 6-14 Jahren (bis zur Konfirmation) die Scheeßeler Bunten zu erlernen und gemeinsam mit den Erwachsenen aufzutreten.

1998
Endlich hat die Gemeinde Scheeßel grünes Licht gegeben für ein Projekt, das schon lange von der Original Scheeßeler Trachtengruppe angestrebt und gewünscht wurde. Das Dachgeschoss des Meyerhofes darf ausgebaut werden. Mit eigenen finanziellen Mitteln und in Eigenleistung errichten die Mitglieder der Original Scheeßeler Trachtengruppe zwei Lagerräume für ihre zahlreichen Gastgeschenke, Trachten, Stoffe, Chroniken, Musikinstrumente u.v.m.. Die beiden, von der Gemeinde zur Verfügung gestellten kleinen Räume waren zu eng geworden und wurden nach Fertigstellung an den “Hausherren” zurückgegeben.

2001
Karin und Hans-Günter Gruß übernehmen nach Fortbildungen und Lehrgängen die Kindertanzgruppe von Silke Kracke. Unser in Kindergärten und Grundschulen gestarteter Aufruf zum Mittanzen fand so großen Anklang, dass die Kindertanzgruppe in Mini (6 - 9 Jahre) und Maxi (10 - 14 Jahre) aufgeteilt werden muss. Die Kindertrachten für die Auftritte der “Neueinsteiger” werden von einigen Vereinsmitgliedern in ehrenamtlicher Tätigkeit fertiggestellt.

2003
In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Niedersachsen Scheeßel und der Trachtengruppe “De Beekscheepers” wird ein Festakt zum Jubiläum “100 Jahre Niedersächsische Trachtenfeste” in zahlreichen Sitzungen erarbeitet.

2004
Ein Jubiläumsjahr der Original Scheeßeler Trachtengruppe. Zusammen mit dem Heimatverein Scheeßel und der Trachtengruppe „De Beekscheepers“ wird am 30. April und 01. Mai das Jubiläum „100 Jahre Trachtenfeste in Scheeßel“ organisiert und mit zahlreichen Gästen gefeiert. Zu diesem Anlass findet in der Zeit vom 25. April bis 31. Mai eine Jubiläumssaustellung mit zahlreichen Trachten aus den verschiedenen Regionen Niedersachsens und aus Scheeßel im Kunstgewerbehaus auf dem Meyerhof statt.

Die Internationale Trachtenbegegnung am 07. und 08. August steht ebenso unter dem Motto „Jubiläum“. Denn diese Trachtenbegegnung wird zum 10. Mal in dieser Größe ausgerichtet. Des Weiteren feiert der Verein in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen seit der Neugründung. In einer kleinen Feier wurden 25 der ehemals 40 Gründungsmitglieder, die heute noch zum Verein gehören, vom LTN sowie der Trachtengruppe geehrt. Ebenso wurde während des Festes an „100 Jahre Niedersächsische Trachtenfeste in Scheeßel“ erinnert und alle 154 Mitgliedsgruppen des LTN zur Veranstaltung eingeladen.

2005
Scheeßel feiert am ersten Septemberwochenende 1200-jähriges Bestehen. Die Original Scheeßeler Trachtengruppe beteiligt sich mit 96 aktiven Trachtenträgern an beiden Tagen mit Bühnenauftritten. Brautpaar, Brautjungfern, Eltern und Musiker auf zwei geschmückten historischen, von Pferden gezogenen Ackerwagen und die vielen Trachtenträger im Anschluss runden das bunte Bild beim großen Festumzug ab.

2006
Die Trachtenbegegnung am 22. und 23. Juli 2006 fand unter dem Motto „Bauernhochzeit“ statt. Dargestellt wurde, wie man vor hundert Jahren in Scheeßel Hochzeit gefeiert hat. Befreundete Gruppen aus Nah und Fern waren als Gäste eingeladen.

2007
In Kooperation mit der Grundschule an der Wümme Lauenbrück wurde im Februar eine Tanz-AG ins Leben gerufen, die sehr gut von den Schülern angenommen wurde. Der erste Schritt in Richtung Ganztagsschule war getan.

2008
Im Rahmen des 250jährigen Weih-Jubiläum der St. Lucas Kirche zu Scheeßel fand ein historischer Kirchgang in Tracht statt. Zu Fuß oder mit Pferd und Wagen kamen die Trachtenträger aus den umliegenden Ortschaften des Kirchspiels zum Gottesdienst.

2009
Altes Handwerk wieder aufleben lassen, das hat sich der Verein vorgenommen. Interessierte Mitglieder um Heiko Klee informierten sich rund um die Sense und erlernten das Mähen und Dengeln. Im Spätsommer wurden  Mitmachaktionen zuerst für Vereinsmitglieder, dann auch für die Öffentlichkeit angeboten. Seit 2010 ist die Trachtengruppe mit eben diesem alten Handwerk als Mitmachaktion auf dem Museumstag des Heimatvereins vertreten.

2011
Ein weiteres altes Handwerk kam hinzu, das Apfelsaftpressen in einer historischen Saftpresse. Präsentiert wurde diese Aktion erstmalig der Öffentlichkeit beim Scheeßel-Tag. Eine alte Dreschmaschine wurde erworben und restauriert.

2012
Zum“ Tag des offenen Hofes“ präsentierten Mitglieder der Trachtengruppe auf zwei landwirtschaftlichen Scheeßeler Betrieben historische Erntearbeit - das Mähen mit der Sense sowie den Einsatz der restaurierten historischen Dreschmaschine.

 

Stand: Juni 2016

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